Hilfstransporte
Seit 1993 wurden in bisher 14 Transporten insgesamt ca. 147 to. Hilfsgüter im Gesamtwert von ca. 218.000 Euro nach Weißrussland gebracht. Insbesondere Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und Schulartikel werden mitgeführt. Ziel unserer Transporte ist das kleine Dorf Otor im Kreis Tschetschersk, dort wo auch die Kinder der Sommeraufenthalte herkommen. Um das Dorf Otor liegen noch weitere 8 kleinere Dörfer, die von uns versorgt werden. Insgesamt leben dort ca. 1.000 Menschen in etwa 420 Haushalten.

Bis zum Jahr 2005 haben wir Hilfsgüter von Deutschland mit geliehenen Lkws nach Weißrussland transportiert. Neben 2 Lkws waren noch 2 Begleitfahrzeuge dabei.
Die Lebensmittelpakete, die an die Haushalte verteilt wurden, hatten einen standardisierten Inhalt. Sie enthielten jeweils:
4 kg Mehl
4 kg Zucker
3 Liter Öl
4 Pfund Nudeln
2 Pfund Reis
2 Pfund Haferflocken
2 Pfund Grieß
1 Pfund Tee
Während unseres Transports im Jahr 2001 wurde anlässlich des 10. Hilfstransportes vor der Schule in Otor ein Baum gepflanzt. Wie man auf dem Bild aus dem Jahr 2008 erkennen kann, hat sich der Baum gut entwickelt und trägt auch schon Früchte.
2005
Am 28.10.2005 sind wir zu unserem nunmehr 13. Hilfstransport gestartet. Im Vorfeld gab es immer wieder neue Nachrichten und Einschränkungen aus Weißrussland. Unsere Partnerin dort, die Direktorin der Schule in Otor Frau Irina Winidktowa, hatte einfach Angst mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, da es für humanitäre Hilfe seit dem Frühjahr wieder neu Bestimmungen gibt. So dürfen Familien nur noch dann humanitäre Hilfe zollfrei annehmen wenn ihr monatliches Pro-Kopf-Einkommen weniger als 145.000 Rubel (entspricht ca. 50 €) beträgt. Letztendlich konnten wir nur Material für die Schule mitnehmen.
Der Transport an sich verlief, bis auf ein paar Probleme im weißrussischen Zoll an der Grenze und in Gomel recht problemlos. Wir waren sogar recht schnell unterwegs, was sicher auch durch die schnelle Grenzabfertigung an der deutsch-polnischen Grenze aber auch im polnischen Teil der Grenzanlagen zu Belarus bedingt war. Und außerdem waren wir sehr froh unsere Freunde wieder zu sehen. Auch auf weißrussischer Seite hat man sich über unseren Besuch sehr gefreut. Dies kam in einigen gemeinsamen Feiern zum Ausdruck. Einen ausführlichen Bericht zu unserem letzten Transport nach der alten Form finden Sie hier: Hilfstransport05.htm
Trotzdem haben wir entschieden, die Transporte in der bisherigen Form einzustellen, da es einerseits viele Probleme und Einschränkungen gab und andererseits die Verteilung der Güter von uns nicht mehr zu kontrollieren war.
2008
Nach den Erfahrungen bei unserem bisher letzten Hilfstransport in 2005 hatten wir uns entschlossen von weiteren Transporten bis auf weiteres abzusehen. Doch ist es uns nunmehr gelungen nach 3 Jahren wieder einmal eine Lebensmittel-Paketaktion durchzuführen. Dabei wurden die Lebensmittel in Weißrussland eingekauft und am 27. und 28.10.2008 in unserem Beisein an die Einwohner von Otor und 8 weiteren Dörfern verteilt. Für uns bedeutete das keinen Ärger mit dem Zoll, keine Zoll-Formalitäten an der Grenze, kurze Abfertigungszeiten, keine Arbeit mit Papieren in Belarus und kürzere Reisezeiten für die Hin- und Rückreise. Alles in Allem eine gelungene Aktion, bei der sich die Menschen in Belarus sehr gefreut haben und wir mit viel weniger Problemen zu kämpfen hatten.
Zunächst sei vorweggeschickt, dass sowohl die Hin-, als auch die Rückfahrt mit ca. 27 Stunden sehr schnell verliefen. Der Aufenthalt an der Grenze Polen/Weißrussland betrug lediglich 1 ½ bzw. 1 ¾ Stunden. Die Abfertigung war problemlos. Unterwegs gab es keinen Unfall und noch nicht einmal eine Panne. Insgesamt also sehr erfreulich.
Abfahrt war am 24.10.2008 gegen 18:00 Uhr, nachdem wir von Pfarrer Moritz und Diakon Braun den Reisesegen erhalten hatten. Die Fahrt verlief gut und zügig. Nach etwa 8:30 Stunden und 710 km waren wir am 25.10.08 um 02:30 Uhr an der Grenze zu Polen. Nach kurzem Halt zum Geldwechsel ging die Fahrt weiter.
Nach 12:00 Stunden in der Nähe von Konin hatten wir dann schon 1.000 km hinter uns. Die Autobahn in Polen ist zwischenzeitlich etwa 100 km länger und ließ uns gut vorankommen. 3 mal war eine Straßengebühr von 4,-- € pro Fahrzeug zu zahlen.
Gegen 10:00 Uhr waren wir dann in Warschau. Von da an ging es etwas langsamer. Viel Verkehr in der Stadt und viele Baustellen auf den restlichen 200 km bis zur Grenze PL/BY, die wir gegen 14:30 Uhr erreichten. Bis hierher waren es ca. 1.430 km. Die Grenze passierten wir dann in ca. 1:15 Stunden, Rekord. Genau 24:00 Stunden nach unserer Abfahrt hatten wir schon 1.525 km zurückgelegt und befanden uns auf belarussischem Gebiet. Um 21:15 Uhr Ortszeit (22:15 MESZ) kamen wir in Minsk bei Swetlana an. Es gab ein großes Hallo, essen, trinken und viel zu erzählen. Kurzfristig hatten wir mit ihr vereinbart in ihrer Wohnung zu übernachten. Sehr angenehm für uns, viel Durcheinander für Swetlana.
Am Sonntag den 26.10.2008 konnten wir dann ausgeruht die restlichen ca. 300 km antreten. Nach dem Frühstück waren wir gegen 08:00 Uhr am Supermarkt, wo die Fahrer Lebensmittel für eigene Pakete einkaufen wollten. Doch der Supermarkt öffnete erst um 09:00 Uhr. So wurden zunächst die Autos getankt und anschließend im Supermarkt Geld gewechselt und eingekauft. Gegen 10:45 Uhr ging es dann weiter Richtung Otor. Nach gut 3 Stunden Fahrt machten wir noch eine Pause in Dovsk, ca. 50 km vor Otor. Dort trafen wir 2 Männer aus Dagestan, die mit 40 to Melonen unterwegs nach Minsk waren. Sie schenkten uns noch 7 Melonen, wir ihnen Cola u.a., dann verabschiedeten wir uns.
15:20 Uhr Ankunft in Otor. Wir werden herzlich empfangen und begrüßt, gehen dann in unsere Gastfamilien. Um 18:00 Uhr waren wir bei Tatjana Moharewa zum Essen eingeladen. Igor, der neue Direktor der Schule in Otor, seine Frau Natascha, Swetlana und Tatjanas Familie waren da. Es war ein sehr schöner Abend. Anschließend besuchten wir noch kurz Sweta Konzewaja im Café in Otor.
Der Montag steht ganz im Zeichen der Paketaktion. Doch bevor die ersten Pakete kommen, sprechen wir mit dem Direktor über Wünsche der Schule in Otor. Wir lassen 50,-- € für eine Kaffeemaschine für die Lehrer und 450,-- € für Anschaffungen der Schule da (Digitalkamera, Spielzeug für Kindergarten etc.). Gegen 11:00 Uhr kommt Tatjana Klimowitsch aus Gomel mit 3 weiteren Frauen und einem Klein-Lkw. Material für 250 Pakete haben sie dabei, der Rest wird am Dienstag geliefert. Nach erstem Abtasten und kleineren Schwierigkeiten arbeiten wir sehr gut zusammen und es funktioniert besser als zunächst gedacht. Mittagessen gibt es bei der Fam. Assmolowskaja, Abendessen bei Fam. Filiptschenko. Insgesamt ein sehr zufrieden stellender Tag mit guter Hoffnung für die weitere Verteilung.
Am Dienstag findet zunächst ein Gespräch mit einer Firma, die die Renovierung der Schulküche durchführen will, statt. Sehr ausführlich werden die Arbeiten besprochen. Anschließend erfolgt die Verteilung der zweiten 250 Pakete. Mittagessen bei Fam. Wereschtschako, Abendessen bei Sweta Konzewaja im Café. Vorher wird noch mit Tatjana Klimowitsch abgerechnet und die Paketaktion besprochen. Der Abend bei Sweta wird sehr schön mit gutem Essen, Tanzen und viel Spaß.
Siggi Hermann, Swetlana und ich fahren zurück nach Minsk. Dort spreche ich in der Stiftung vor und kläre Fragen zum Sommeraufenthalt, zum Transport der Kinder von Otor nach Minsk und zurück sowie zu einer evtl. im nächsten Jahr stattfindenden Gastelternreise. Anschließend sind wir bei Emma (einer ehemaligen Betreuerin der Kindergruppe im Sommer), die zur Zeit wegen Renovierung ihrer eigenen Wohnung bei der Tochter wohnt, eingeladen. Mit einer schönen Lichterfahrt durch Minsk geht der Tag zu Ende.
Am nächsten Tag liege ich flach. Eine
Magen-/Darmsache hat mich niedergestreckt. Siggi besucht die Stadt und mit
Swetlana deren Eltern. Um die Mittagszeit besuche ich noch Olga, um ihren
gesundheitlichen Zustand und ihre Pläne für die Zukunft zu erfahren. Wieder
zurück bei Swetlana sind auch schon die restlichen Fahrer da. Und gegen 15:30
Uhr machen wir uns auf die Heimreise. Schon um 20:30 Uhr erreichen wir die
Grenze BY/PL und um 22:15 Uhr verlassen wir die Grenzanlagen auf polnischem
Gebiet. Die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt und weiter geht es durch
Polen. Da in der Nacht nicht so viel Verkehr ist, kommen wir gut voran, insbesondere
auch in Warschau. Und um 07:45 Uhr sind wir an der Grenze zu Deutschland.
Weiter geht es auf heimischem Boden und nach einer kurzen Rast fahren wir an
Berlin vorbei. Gegen Mittag machen wir Rast in der Nähe der Raststätte
Teufelstal. Nach 4.463 km kommen wir am Freitag, 31.10.2008 um 18:00 Uhr wieder
wohlbehalten in Hargesheim an, wo wir von unseren Familien herzlich empfangen
werden. Nach ein wenig erzählen, etwas zu essen und zu trinken, gehen wir dann
nach Hause in unsere Familien. (RS)
2010
Nach 2 Jahren war es endlich wieder einmal soweit. 12 Fahrer machten sich in 3 Kleinbussen auf den Weg nach Weißrussland, in das kleine Dorf Otor im Kreis Tschetschersk. Daneben flogen 2 Vertreter des Vereins mit dem Flugzeug nach Minsk, um einen Tag später zusammen mit den Fahrern weiter nach Otor zu fahren.
Am Samstag, 30.10.2010, frühmorgens um 06:00 Uhr starteten die Fahrer, nachdem Pfarrer Moritz und Pastor Peil Ihnen den Reisesegen erteilt hatten. Nach fast staulosen 1.800 km, aber 7 ½ Stunden in der Grenze von Polen nach Weißrussland, erreichten die Fahrer am Sonntag, 31.10.2010 gegen 14:00 Uhr Minsk.
Bei Swetlana, einer Dolmetscherin der vergangenen Sommeraufenthalte, machten wir eine kurze Pause und trafen auf die beiden „Flieger“. Schon bald fuhren wir weiter und erreichten Otor am Abend gegen 22:00 Uhr. Igor, der Direktor der Schule und einige andere Freunde begrüßten uns am Dorfplatz. Wir wurden unseren Gastfamilien zugeteilt, entluden die Autos und gingen dann in unsere Gastfamilien.
Am Montag besichtigten wir als Erstes die renovierte Schulküche, die durch unsere finanzielle Unterstützung in neuem Glanz erstrahlt. Gegen 11:30 Uhr kommt Tatjana Klimowitsch, unsere Partnerin vom Verein „Help to Gomel“, mit den Lebensmitteln. Wir verladen Pakete auf die Kleinbusse, die in die Dörfer fahren, begeben uns vorher aber noch zum Mittagessen ins Café Bris. Gegen 14:00 Uhr geht es los. 2 Kleinbusse starten in die Dörfer, der größte Teil der Pakete wird aber in die Sporthalle der Schule in Otor gebracht. Und dann beginnt auch schon die Verteilung. Alles läuft routiniert und ruhig ab. Wir fahren in die Dörfer und beobachten die Verteilung. In Nowaja Jaskowtschina leben fast nur noch alte Menschen, die nicht mehr in der Lage sind ihr Paket nach Hause zu tragen. Eine Frau zieht es mit einem Seil hinter sich her. So fahren unsere Männer und Frauen von Haus zu Haus und bringen die Pakete teilweise selbst in die Häuser. Nicht zu glauben. Bevor es zum Abendessen geht, besprechen wir mit Tatjana Klimowitsch die Aktion und rechnen ab. Sie wird am Dienstag, wenn wir die restlichen Pakete verteilen, nicht mehr da sein. Dann gehen wir zusammen ins Café Bris, wo für uns alle der Tisch reichlich gedeckt ist. Es wird ein schöner Abend. Rafael und Georg bringen Tatjana und ihre Helferin noch nach Gomel.
Am Dienstag werden die restlichen Pakete verteilt. Um 17:45 Uhr werden wir am Dorfplatz in Otor abgeholt und nach Tschetschersk ins Restaurant gebracht. Frau Struck, die Leiterin der Kolchose, hat uns heute Abend eingeladen. Auch die Bürgermeisterin von Otor ist anwesend.
Es ist Mittwoch der 03. November 2010. Heute müssen wir schon packen, denn es geht für einen Teil der Gruppe zurück nach Minsk. Um 10:00 Uhr beginnt ein offizieller Teil in der Schulküche. Herr Nesterowitsch, stellvertretender Landrat, ist anwesend und die Kinder der Schule haben Lieder und Sketche vorbereitet. Aus der Hand des stellv. Landrats erhalten wir eine Dankurkunde, die höchste Auszeichnung der Kreisverwaltung, wie er uns versichert. Die Schulküche wurde mit unserer finanziellen Unterstützung renoviert und ist heute ein Vorzeigeobjekt im Kreis. Anschließend werden Bilder gemacht und es gibt Essen. Eine Journalistin der örtlichen Presse kommt und macht weitere Bilder. Gegen 11:30 Uhr fahren 6 Personen in Richtung Minsk. Dort besuchen Sie Olga Schewzowa, denen sie Medikamente mitbringen, die sie in Belarus nicht kaufen kann. Sie benötigt diese nach 3 Herzoperationen in Deutschland. Auch andere Freunde werden besucht und wir übernachten bei Swetlana. Die restlichen 8 Fahrer treffen wir uns am nächsten Tag bei Stoubcy, ca. 80 km von Minsk entfernt. Dort legen wir noch einmal eine Zwischenübernachtung ein, bevor es am Freitag in Richtung Deutschland nach Hause geht. Gemeinsam genießen wir gutes Essen, einen stressfreien Abend, einen Banja-Besuch und das Zusammensein. Wir schlafen gut, stärken uns am nächsten Morgen beim Frühstück und starten gegen 09:20 Uhr in Richtung Heimat. Vorher verabschieden wir uns noch von den „Fliegern“ und unseren Freunden. Ausgeruht beginnt die Rückreise.
Die Grenze von Weißrussland nach Polen passieren in etwas mehr als 3 ½ Stunden. Noch liegen 1.400 km vor uns. Doch wir kommen gut voran. Es geht in die Nacht und Warschau durchfahren wir gegen Abend. In der Nacht um 03:30 Uhr erreichen wir die Grenze zu Deutschland. Keine Kontrollen und wir sind wieder auf heimischem Boden. Man merkt den Fahrern an, dass sie ausgeruht die Rückreise angetreten haben. Um 12:35 Uhr fahren wir in Hargesheim ein und werden von unseren Angehörigen begrüßt. Auch die beiden Flieger sind schon da und freuen sich uns wieder zu sehen. Ein gemeinsames Essen, ein Wodka, noch ein paar Erlebnisse erzählt und dann geht es erst einmal nach Hause. Noch am gleichen Nachmittag richten wir die Autos wieder her und freuen uns dann auf eine Dusche und einen gemütlichen Abend zu Hause. (RS)
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