Schuldachsanierung an der Schule in Otor
Im
Mai 2003, während eines Hilfstransports, fragten wir die Direktorin der Schule
in Otor, Frau Irina Winidiktowa, was sie denn für besondere Wünsche für den nächsten
Transport hätte. Die Antwort, die wir bekamen, machte uns zunächst einmal
sprachlos, denn eigentlich hatten wir mit Wünschen wie Buntstifte, Sportartikel
etc. für die Schule gerechnet.
Es gäbe im Moment ein Problem, das sie sehr beschäftigen würde. Das Dach der Schule in Otor sei dermaßen beschädigt, dass bei starkem Regen in einigen Klassenräumen und im Flur Wasser durch die Decke dringt. Ein Unterrichten sei da natürlich nur sehr schwer möglich.
Wieder zu Hause angekommen, begannen sich Rädchen in unseren Hirnen zu drehen. Da sich in den Vereinsreihen auch ein Dachdeckermeister befand, dachten wir sehr bald daran dort mit Hilfe von Hermann Verhag etwas zu unternehmen. Es wurden nun Informationen über die Größe des Daches, dessen Abdichtung, die am meisten undichten Stellen usw. eingeholt und im Hinterkopf hatten wir uns vorgestellt im Rahmen des nächsten Hilfstransports zumindest einen Teil des Daches selbst zu sanieren. Da wir erst im Jahr 2004 wieder nach Otor fahren konnten, schafften wir zur provisorischen Reparatur zwei Eimer Spachtelmasse nach Otor, um die am schlimmsten betroffenen Stellen für den Winter abzudichten. Es war jedoch auch schnell klar, dass eine Besichtigung vor Ort notwendig ist.
So reisten am 29.10.2003 Hermann Verhag, Rafael Vogel und Rainer Schwarz nach Otor. Bei einer Besichtigung des Schuldaches stellte sich heraus, dass der betroffene Teil des Daches mit 800 qm recht groß und auch nicht in Abschnitten zu sanieren ist. Eine solche Fläche konnten wir im Rahmen eines Hilfstransports nicht reparieren. In einer Besprechung mit der Kreisverwaltung Tschetschersk, die für die Schule in Otor zuständig ist, wurde uns eine weißrussische Firma vorgestellt, die solche Dächer saniert. Sogleich vereinbarten wir einen Gesprächstermin und erhielten nach der Rückkehr im Dezember ein Angebot. Doch es waren noch einige Fragen zu klären und so mussten wir das weitere Vorgehen bis zu unserem Hilfstransport im April/Mai 2004 zurückstellen. Während des Transports trafen wir uns erneut in der Schule in Otor, diesmal mit einer anderen Firma, da die Firma vom Vorjahr angeblich kein Interesse bzw. keine Zeit mehr hatte. Jetzt wurde sehr detailliert über die notwendigen Maßnahmen und die verwendeten Materialien gesprochen.
Die weitere Vorgehensweise wurde besprochen und auch umgehend ein Angebot vorgelegt. Die Kosten für die Reparatur sollten sich auf 37.414.770 weißrussische Rubel belaufen, umgerechnet ca. 14.750,-- €. Ein für uns zunächst unvorstellbar hoher Betrag, zumal die Kreisverwaltung Tschetschersk nur 20% der Kosten selbst tragen konnte.
Nach eingehenden Beratungen und der Suche nach Sponsoren, entschieden wir uns dann das Projekt anzugehen, damit die Kinder im kommenden Winter wieder unbeschwert den Unterricht besuchen können. Notfalls würden wir den nächsten Hilfstransport ausfallen lassen oder verschieben.
Nun galt es weitere Probleme zu lösen, als da z.B. die Überweisung des Geldes und der Abschluss einer Vereinbarung mit der Kreisverwaltung waren. Aber auch diese Probleme wurden gelöst. Dann gelang es uns von dem Verein „Helft uns Leben“ der Rhein-Zeitung in Koblenz eine Zusage über eine finanzielle Unterstützung zu bekommen und so konnte die Sanierung am 30.08.2004 beginnen.
Nach Abschluss der Reparatur wurden auf einer Reise vom 06. – 10.10.2004 die Arbeiten von den oben genannten 3 Vertretern des Vereins begutachtet. Hermann Verhag, als Dachdeckermeister natürlich der Fachmann unseres Vertrauens, stellte den Arbeiten ein zufrieden stellendes Zeugnis aus und wir konnten die Restzahlung guten Gewissens leisten.

Wie hoch diese Unterstützung bei der Reparatur des Schuldaches einzuordnen ist, zeigt eine Aussage eines Mannes aus Otor. Im Rahmen einer der beiden Besichtigungsreisen sagte er nämlich: „Wenn die Schule in Otor einmal nicht mehr ist, wird auch das Dorf aussterben.“
So denken wir, dass dies eine gute Aktion war, die auch die Freundschaft zwischen den Menschen in Otor und Hargesheim weiter stärken wird. Natürlich sind wir stolz auf diese Leistung und bedanken uns, ganz besonders auch im Namen der Direktorin der Schule und der Schüler und Menschen in Otor für die geleistete Unterstützung aus der Bevölkerung.
(Rainer
Schwarz)
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